FAQ

Welche Infos gibt es zur Vollzeitausbildung?
Aufgrund der hohen Anforderungen des Berufs und der Komplexität der Ausbildung empfiehlt es sich Gebärdensprachdolmetschen als Studiengang zu absolvieren.
Die Studiendauer liegt zwischen 3,5 – 5 Jahre ggf. auch länger, je nachdem wie schnell die Leute durchkommen. Mit dem heutigen BA Gebärdensprachdolmetschen, welchen man als Abschluss in Hamburg und Magdeburg erhält, ist die durchschnittliche Studiendauer 3,5-4 Jahre (7 Semester). In Zwickau wird noch auf Diplom Gebärdensprachdolmetschen studiert, da sind es mindestens 4 Jahre und in Berlin ist es ja ein MA, welcher auf den BA Deaf Studies draufkommt und so sind es gesamt 5 Jahre (in Berlin gab es auch 2 Jahre lang einen BA Gebärdensprachdolmetschen, es war eine politische Entscheidung es auf Deaf Studies und dann MA umzustellen). In Idstein an der Fresenius Hochschule gibt es ebenfalls einen MA, der berufsbegleitend belegt werden kann, hier müssen jedoch entsprechende Vorkenntnisse vorgelegt werden.
Es sind also aktuell 5 Studienorte an denen man studieren kann, wobei es in Hamburg und Berlin jeweils an den Unis ist und in Magdeburg und Zwickau an der FH, die Abschlüsse sind aber gleichwertig und der MA in Berlin nicht mehr wert, als der BA in Magdeburg, nur die Titel sind verschieden. Ab Wintersemester 2015 wird es an der FH Landshut ebenfalls einen BA-Studiengang Gebärdensprachdolmetschen geben, die Planungen dazu laufen bereits, eine Professur wurde ausgeschrieben.

Kann man vom Gebärdensprachdolmetschen leben?
95 % der Dolmetscher sind Freiberufler, ein kleiner Teil arbeitet angestellt. Jeder ist somit selbst für die Höhe seines Verdientes verantwortlich. Aktuell ist es so, dass es zumindest in Bayern immer noch zu wenige Gebärdensprachdolmetscher gibt und die Auftragslage hoch ist, so dass nicht alle Aufträge auch erfolgreich mit Dolmetschern besetzt werden können, und dass Nachwuchs immer gern gesehen ist. Aus diesen Gründen wird hier auch ab 2015 der Studiengang in Landshut starten.

Ist Gebärdensprache international?
Nein. Gebärdensprache ist eine natürliche Sprache und kann daher mit jeder anderen Lautsprache wie z. B. Französisch oder Englisch verglichen werden. So, wie es nationale Lautsprachen gibt, gibt es auch nationale Gebärdensprachen, z. B. DGS (Deutsche Gebärdensprache), ASL (American Sign Language), ÖGS (Österreichische Gebärdensprache), NGT (Nederlandse Gebarentaal), TID (Türk Isaret Dili).
 
Da Gehörlose sehr geübt darin sind, sich Menschen, die nicht ihre Sprache sprechen, verständlich zu machen, und da Gebärdensprachen eine Vielfalt von deiktischen grammatikalischen Elementen aufweisen, gibt es das Phänomen des International Sign. International Sign ist keine Sprache, sondern eine hybride Kommunikationsform, ad hoc, aus einer konkreten Situation heraus geboren. Einige konventionelle Gebärdenzeichen, zumeist entlehnt aus der ASL, ein gemeinsamer lebensweltlicher Bezug, die Nutzung von grammatikalischen Gemeinsamkeiten der jeweiligen Gebärdensprachen (z. B. Mimik, Klassifikatoren, Raumnutzung und Indexikalität) helfen den einander fremden Gesprächspartnern zunächst, einen gemeinsamen Nenner zu finden, von dem aus jeder sprachliche Elemente des anderen übernimmt, sie neue und individuelle Konventionen bilden und sich das Gesprächsniveau mit der Zeit vom oberflächlichen Small-Talk zur tiefgehenden Diskussion entwickeln kann.


Kann man alles in Gebärdensprache übersetzen?
Ja. Auch wenn es sich um eine visuelle Sprache handelt, verfügt sie über konventionelle Zeichen, die nach eigenen grammatikalischen Regeln miteinander verknüpft werden.
Damit unterscheidet sich Gebärdensprache, abgesehen von der Andersartigkeit der sprachlichen Zeichen, in keiner Weise von einer Lautsprache. Sie ist dieser ebenbürtig und so wie man von einer Lautsprache in eine andere übersetzen kann, kann man auch von Lautsprachen in Gebärdensprachen und umgekehrt übersetzen.
 

... und es gibt für jedes Wort eine eigene Gebärde?
Nein. Da Gebärdensprache eine andere Grammatik als die Lautsprache besitzt, können die einzelnen Wörter nicht ohne weiteres in Gebärden übertragen werden. Es gibt zum Beispiel ja auch nicht für jedes deutsche Wort eine direkte englische Entsprechung. Das wunderbare deutsche Wort "Sehnsucht", zum Beispiel. 
 

Aber ich habe schon gesehen, dass für jedes Wort ein Zeichen benutzt wurde!
Das ist gut möglich. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Gebärdensprache sondern um lautsprachbegleitende Gebärden. Sie verfügt über keine eigene Grammatik, sondern orientiert sich an der Grammatik der Lautsprache und somit um eine visualisierte Form der Lautsprache. Hat etwas von Filserenglisch.


Ist es schwer, Gebärdensprache zu lernen?
Da es sich um eine, wie bereits mehrfach erwähnt, natürliche Sprache handelt, ist das Erlernen einer Gebärdensprache genauso leicht oder schwer wie das Erlernen einer jeden anderen Fremdsprache.
 
Man muss die grammatischen Regeln und Strukturen beherrschen, Vokabeln – in diesem Fall Gebärdenzeichen- lernen und sich mit dem speziellen Einsatz der Mimik und der Nutzung des Gebärdenraums vertraut machen.
 
Je öfter man Kontakt mit Gehörlosen hat und je öfter man die Gebärdensprache benutzt, desto schneller stellt sich der Lernerfolg ein. Nur, und hierin unterscheidet sich das Erlernen der Gebärdensprache zum Erlernen einer anderen Fremdsprache, dass man dafür nicht in ein bestimmtes Land reisen muss, um sich mit der Sprache und Kultur auseinander zu setzen.
 
 
. . . und an welcher Schule arbeiten Sie?
Ich bin Gebärdensprachdolmetscherin, d.h. ich dolmetsche in allen Situationen in denen sich gehörlose Menschen ihrer hörenden Umwelt mitteilen wollen.
Dolmetscherinnen sind ausschließlich für die Übertragung von einer Sprache und Kultur in eine andere zuständig. Sie arbeiten weder als Lehrerinnen noch als Hörgeschädigtenpädagoginnen.
 

Wie viele Gehörlose betreuen Sie denn?
Keine, denn als Gebärdensprachdolmetscherin bin ich hauptsächlichsächlich für die Sprachmittlung und nicht für die Betreuung von Klienten zuständig. Meine Tätigkeit ist als Dienstleistung anzusehen. Meine Aufgabe hierbei ist es, die Kommunikation zwischen den einzelnen Gesprächsparteien herzustellen und sicherzustellen, dass dem gehörlosen Gesprächsteilnehmer, als Mitglied einer sprachlich kulturellen Minderheit, auch „Gehör“ verschafft wird.
Die Betreuung und damit zusammenhängende Aufgaben übernehmen die Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen.
 

Wo arbeitet man als GebärdensprachdolmetscherIn?
GebärdensprachdolmetscherInnen sind überall dort im Einsatz, wo Hörende und Gehörlose zusammentreffen und die Kommunikation sichergestellt werden muss. Dies können Dolmetscheinsätze in der Schule (z. B. Elternabende, Eltern-Lehrer-Gespräch, Unterricht), in Ausbildungen (z. B. Unterricht an der Berufsschule) und Studium (z. B. Vorlesungen und Seminare), in der Freizeit (z. B. Theateraufführungen, Stadtführungen, Kinovorstellungen), beim Arzt (z. B. Hausarzt, Augenarzt, OP-Aufklärungsgespräch), bei Polizei und Gericht, auf Ämtern (z. B. Arbeitsamt, Jugendamt), bei Banken, bei kirchlichen Veranstaltungen sein (z. B. Hochzeit, Taufe, Firmung, Beerdigung).
 

Wie kann man Namen übersetzen?
Namen werden meist mit dem Fingeralphabet buchstabiert. Wird der Name öfters gebraucht, wird der Person eine Namensgebärde gegeben. Eine Namensgebärde kann eine typische Eigenschaft oder ein äußeres Merkmal der Person darstellen.
Das gleiche gilt für Fachbegriffe/ Fremdwörter. Wenn es noch keine feststehende Gebärde etabliert ist, werden diese auch per Fingeralphabet daktyliert.
Für Eigennamen, z. B. Städtenamen, haben sich im Laufe der Zeit feststehende Gebärden etabliert.


Wo gibt es eine gute Übersicht über allgemeine Dolmetschinfos für Kinder und Jugendliche?
Der Studiengang Gebärdensprachdolmetschen der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) hat im Rahmen des Praxisprojektes 2002/2003 zu diesem Thema eine Internetseite eingerichtet:
http://www.sgw.hs-magdeburg.de/deafkids/
 

Wo kann ich Gebärdensprache lernen?
An vielen VHS (Volkshochschulen) werden mittlerweile Gebärdensprachkurse angeboten.  Es gibt Grund- und Aufbaukurse .
Zunehmend werden Gebärdensprachkurse auch vermehrt von privater Hand angeboten. 
Anlaufstellen für den Münchner Raum sind: